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fmb-1837-01-01-04

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Felix Mendelssohn Bartholdy an Elisabeth Jeanrenaud in Frankfurt a. M. <lb></lb>Leipzig, 1. Januar 1837 Mir wars sonst auch wohl schwer wenn ich mal den Eltern so recht von Herzensgrund gern gedankt hätte, für mein Leben, und für alles was es mir lieb machte, und wenn ich ihnen dann doch Felix Mendelssohn Bartholdy Correspondence Online (FMB-C) noch nicht ermittelt noch nicht ermittelt Mendelssohn Bartholdy (bis 1816: Mendelssohn), Jacob Ludwig Felix (1809-1847)Mendelssohn Bartholdy (bis 1816: Mendelssohn), Jacob Ludwig Felix (1809-1847) Transkription: FMB-C Edition: FMB-C Felix Mendelssohn Bartholdy Correspondence Online-Ausgabe (FMB-C). Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft. Humboldt-Universität zu Berlin
Am Kupfergraben 5 10117 Berlin Deutschland
http://www.mendelssohn-online.com Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0) Bd. 5, 1508

Maschinenlesbare Übertragung der vollständigen Korrespondenz Felix Mendelssohn Bartholdys (FMB-C)

Großbritannien Oxford GB-Ob Oxford, Bodleian Library Music Section M.D.M. d. 18, fol. 22-23. Autograph Felix Mendelssohn Bartholdy an Elisabeth Jeanrenaud in Frankfurt a. M.; Leipzig, 1. Januar 1837 Mir wars sonst auch wohl schwer wenn ich mal den Eltern so recht von Herzensgrund gern gedankt hätte, für mein Leben, und für alles was es mir lieb machte, und wenn ich ihnen dann doch

4 beschr. S.; Adresse. – Felix Mendelssohn Bartholdy datierte irrtümlicherweise mit 1836, der Inhalt verweist jedoch zweifelsfrei auf das Jahr 1837. Mehrfach Textverluste durch Siegelabriss, Textergänzung.

Felix Mendelssohn Bartholdy

Green Books

Felix Mendelssohn Bartholdy Correspondence Online-Ausgabe FMB-C: Digitale Edition der vollständigen Korrespondenz Hin- und Gegenbriefe Felix Mendelssohn Bartholdys auf XML-TEI-Basis.

Die Felix Mendelssohn Bartholdy Correspondence Online-Ausgabe FMB-C ediert die Gesamtkorrespondenz des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy 1809-1847 in Form einer digitalen, wissenschaftlich-kritischen Online-Ausgabe. Sie bietet neben der diplomatischen Wiedergabe der rund 6.000 Briefe Mendelssohns erstmals auch eine Gesamtausgabe der über 7.200 Briefe an den Komponisten sowie einen textkritischen, inhalts- und kontexterschließenden Kommentar aller Briefe. Sie wird ergänzt durch eine Personen- und Werkdatenbank, eine Lebenschronologie Mendelssohns, zahlreicher Register der Briefe, Werke, Orte und Körperschaften sowie weitere Verzeichnisse. Philologisches Konzept, Philologische FMB-C-Editionsrichtlinien: Uta Wald, Dr. Ulrich Taschow. Digitales Konzept, Digitale FMB-C-Editionsrichtlinien: Dr. Ulrich Taschow. Technische Konzeption der Felix Mendelssohn Bartholdy Correspondence FMB-C Ausgabe und Webdesign: Dr. Ulrich Taschow.

1. Januar 1837 Mendelssohn Bartholdy (bis 1816: Mendelssohn), Jacob Ludwig Felix (1809-1847)counter-resetMendelssohn Bartholdy (bis 1816: Mendelssohn), Jacob Ludwig Felix (1809-1847) Leipzig Deutschland Jeanrenaud, Elisabeth (Lilly) Wilhelmine (1796-1871) Frankfurt a. M. Deutschland deutsch
An Mde. E. Jeanrenaud.
Mendelssohn Bartholdy (bis 1816: Mendelssohn), Jacob Ludwig Felix (1809-1847)Mendelssohn Bartholdy (bis 1816: Mendelssohn), Jacob Ludwig Felix (1809-1847)Leipzig d. 1sten Jan. 1836Liebe Mama

Mir wars sonst auch wohl schwer wenn ich mal den Eltern so recht von Herzensgrund gern gedankt hätte, für mein Leben, und für alles was es mir lieb machte, und wenn ich ihnen dann doch weiter nichts zu sagen wußte als eben daß ich ihnen dafür danken wollte. Heut am ersten Tage des Neujahrs, wo ich viel an das alte und viel an die Zukunft denken muß, ist mirs Ihnen gegenüber auch wieder ganz so, ich möchte wohl etwas Ihnen sagen, aber auszudrücken weiß ichs nicht. Was soll einer denn auch sagen, dem das Leben und das Glück geschenkt und neuerschaffen wird, und der zu alle dem in einem solchen Zeitraum die frohsten Tage seines Daseins zählen kann? Da ist doch nicht zu danken dafür. Aber eben einfach sagen möcht’ ichs Ihnen nur gar zu gern, wie mir das alles gestern in den letzten Stunden des alten Jahres tief im Herzen lag, wie die glücklichen glücklichen Tage die ich jetzt bei Ihnen lebte mir mit jeder Stunde so unvergeßlich sind, wie mir eine solche Zeit am Leben und am Athmen wieder neue Freude giebt, wie ich Ihre CécileMendelssohn Bartholdy, Cécile Sophie Charlotte (1817-1853) so sehr viel mehr liebe als mich und alles andre in der Welt, und wie ich eben für Alles das Ihnen danken sollte und es nicht kann, und nur Gott danken kann, daß er mir das Alles gegeben. Gewiß haben auch Sie am heutigen und gestrigen Tage wohl einmal zu mir hergedacht, wie ich jetzt hier wieder so allein lebe, nach all den frohen Festtagen. Der Augenblick, wie ich wieder in mein Zimmer trat, und alles so fand wie ich es bei der Abreise verlassen, und alles mir sagte daß die lang ersehnten Tage vorüber wären, der war sehr traurig. Und ich hatte mir eben diese Rückkunft niemals vorher lebhaft denken mögen so lange noch die Tage mir bevorstanden, und während der Reise träumte ich noch davon, und nun wußte ich so gar nicht, was zu thun um mich des Schmerzes der leidigen Erinnerung zu erwehren, und war den ganzen Abend in meinem Zimmer wie ein Abwesender. Bis mir der Gedanke durchs Herz fuhr daß auch CécileMendelssohn Bartholdy, Cécile Sophie Charlotte (1817-1853) mir gut sei, daß das nimmer vorüber gehn könne, wie jene schönen Tage, daß unsre Liebe immer gegenwärtig sei, und da konnte ich denn wieder freier werden, und mich beschäftigen und darin Trost suchen. SchuncksSchunck, Familie von → Friedrich Philipp Daniel S., die Sie alle herzlich grüßen, waren auch sehr freundlich und suchten mir über diese schlimmen Tage möglichst leicht hinwegzuhelfen, Proben gabs vollauf, heut Abend das bewußte Concert mit dem Solo meiner Tante SchlegelSchlegel, gesch. Veit, Dorothea Friederike (bis 1815 Brendel) (seit 1815) von (1764-1839) und so komme ich nach und nach wieder in den traurigen vorweihnachtlichen Geschäftsga[ng.] Aber heut früh war ich bei meinen DirectorenGewandhausLeipzigDeutschland [und] habe ihnen rund heraus erklärt, daß ich vom 17[ten] März an nicht mehr disponibel für Leipziger Musik bin, und sie sahen’s ein, und fanden’s billig. Und ich hab’s doppelt nöthig, denn so lange dieser Schnee und diese Kälte dauern, ja so lange sie noch wiederzukehren drohen, so lange muß ich Sie bitten, sich den Unannehmlichkeiten einer Reise hieher nicht auszusetzen. Nein, liebe Mama, das dürfen Sie wahrlich nicht. Mich alten commis voyageur hat die abscheuliche Nachtkälte und der dicke Schnee im Thüringer Wald fast aus der Contenance gebracht. Und nun gar wenn Sie die Reise machten. Das mag ich mir nicht ausmalen. Aber wenns besser wird, wärmer, darf ich mirs dann denken, daß Sie kommen? Werden Sie es dann thun, liebe Mama? Und vielleicht wirds bald wärmer und besser. Und das ist jetzt mein Hauptgedanke.

Bitte, liebe Mama; sagen Sie Ihren lieben ElternSouchay, Helene Elisabeth (1774-1851)Souchay, Cornelius Carl (1768-1838) nochmals meinen herzlichen Dank für alle Freundlichkeit, alles Gute, was sie mir während meines Aufenthalts jetzt wieder erzeigt haben. Wenn ich jetzt einmal an Mde. BrucknerBruckner, Mde. denke, so werd’ ich melancholisch und reuig, und möchte ihr gar zu gern den ganzen Tag lang gegenübersitzen, und wollte gar keine Grimace machen, mit oder ohne Licht, hätte ich nur die CécileMendelssohn Bartholdy, Cécile Sophie Charlotte (1817-1853) neben mir. Muß ich doch jetzt bei den hiesigen Visiten vergnügt thun, und wars damals nicht, aus Ungenügsamkeit. Und nun noch an JulieJeanrenaud, Julie Sophie (1816-1875) und KarlJeanrenaud, Carl Cornelius (1814-1891) meine Grüße und Wünsche und leben Sie wohl und auf baldig Wiedersehn.

Ihr F.
            Leipzig d. 1sten Jan. 1836Liebe Mama
Mir wars sonst auch wohl schwer wenn ich mal den Eltern so recht von Herzensgrund gern gedankt hätte, für mein Leben, und für alles was es mir lieb machte, und wenn ich ihnen dann doch weiter nichts zu sagen wußte als eben daß ich ihnen dafür danken wollte. Heut am ersten Tage des Neujahrs, wo ich viel an das alte und viel an die Zukunft denken muß, ist mirs Ihnen gegenüber auch wieder ganz so, ich möchte wohl etwas Ihnen sagen, aber auszudrücken weiß ichs nicht. Was soll einer denn auch sagen, dem das Leben und das Glück geschenkt und neuerschaffen wird, und der zu alle dem in einem solchen Zeitraum die frohsten Tage seines Daseins zählen kann? Da ist doch nicht zu danken dafür. Aber eben einfach sagen möcht’ ichs Ihnen nur gar zu gern, wie mir das alles gestern in den letzten Stunden des alten Jahres tief im Herzen lag, wie die glücklichen glücklichen Tage die ich jetzt bei Ihnen lebte mir mit jeder Stunde so unvergeßlich sind, wie mir eine solche Zeit am Leben und am Athmen wieder neue Freude giebt, wie ich Ihre Cécile so sehr viel mehr liebe als mich und alles andre in der Welt, und wie ich eben für Alles das Ihnen danken sollte und es nicht kann, und nur Gott danken kann, daß er mir das Alles gegeben. Gewiß haben auch Sie am heutigen und gestrigen Tage wohl einmal zu mir hergedacht, wie ich jetzt hier wieder so allein lebe, nach all den frohen Festtagen. Der Augenblick, wie ich wieder in mein Zimmer trat, und alles so fand wie ich es bei der Abreise verlassen, und alles mir sagte daß die lang ersehnten Tage vorüber wären, der war sehr traurig. Und ich hatte mir eben diese Rückkunft niemals vorher lebhaft denken mögen so lange noch die Tage mir bevorstanden, und während der Reise träumte ich noch davon, und nun wußte ich so gar nicht, was zu thun um mich des Schmerzes der leidigen Erinnerung zu erwehren, und war den ganzen Abend in meinem Zimmer wie ein Abwesender. Bis mir der Gedanke durchs Herz fuhr daß auch Cécile mir gut sei, daß das nimmer vorüber gehn könne, wie jene schönen Tage, daß unsre Liebe immer gegenwärtig sei, und da konnte ich denn wieder freier werden, und mich beschäftigen und darin Trost suchen. Schuncks, die Sie alle herzlich grüßen, waren auch sehr freundlich und suchten mir über diese schlimmen Tage möglichst leicht hinwegzuhelfen, Proben gabs vollauf, heut Abend das bewußte Concert mit dem Solo meiner Tante Schlegel und so komme ich nach und nach wieder in den traurigen vorweihnachtlichen Geschäftsgang.  Aber heut früh war ich bei meinen Directoren und habe ihnen rund heraus erklärt, daß ich vom 17ten März an nicht mehr disponibel für Leipziger Musik bin, und sie sahen’s ein, und fanden’s billig. Und ich hab’s doppelt nöthig, denn so lange dieser Schnee und diese Kälte dauern, ja so lange sie noch wiederzukehren drohen, so lange muß ich Sie bitten, sich den Unannehmlichkeiten einer Reise hieher nicht auszusetzen. Nein, liebe Mama, das dürfen Sie wahrlich nicht. Mich alten commis voyageur hat die abscheuliche Nachtkälte und der dicke Schnee im Thüringer Wald fast aus der Contenance gebracht. Und nun gar wenn Sie die Reise machten. Das mag ich mir nicht ausmalen. Aber wenns besser wird, wärmer, darf ich mirs dann denken, daß Sie kommen? Werden Sie es dann thun, liebe Mama? Und vielleicht wirds bald wärmer und besser. Und das ist jetzt mein Hauptgedanke.
Bitte, liebe Mama; sagen Sie Ihren lieben Eltern nochmals meinen herzlichen Dank für alle Freundlichkeit, alles Gute, was sie mir während meines Aufenthalts jetzt wieder erzeigt haben. Wenn ich jetzt einmal an Mde. Bruckner denke, so werd’ ich melancholisch und reuig, und möchte ihr gar zu gern den ganzen Tag lang gegenübersitzen, und wollte gar keine Grimace machen, mit oder ohne Licht, hätte ich nur die Cécile neben mir. Muß ich doch jetzt bei den hiesigen Visiten vergnügt thun, und wars damals nicht, aus Ungenügsamkeit. Und nun noch an Julie und Karl meine Grüße und Wünsche und leben Sie wohl und auf baldig Wiedersehn.
Ihr F.          
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Heut am ersten Tage des Neujahrs, wo ich viel an das alte und viel an die Zukunft denken muß, ist mirs Ihnen gegenüber auch wieder ganz so, ich möchte wohl etwas Ihnen sagen, aber auszudrücken weiß ichs nicht. Was soll einer denn auch sagen, dem das Leben und das Glück geschenkt und neuerschaffen wird, und der zu alle dem in einem solchen Zeitraum die frohsten Tage seines Daseins zählen kann? Da ist doch nicht zu danken dafür. Aber eben einfach sagen möcht’ ichs Ihnen nur gar zu gern, wie mir das alles gestern in den letzten Stunden des alten Jahres tief im Herzen lag, wie die glücklichen glücklichen Tage die ich jetzt bei Ihnen lebte mir mit jeder Stunde so unvergeßlich sind, wie mir eine solche Zeit am Leben und am Athmen wieder neue Freude giebt, wie ich Ihre <persName xml:id="persName_8499450f-f9ba-4e6e-94a1-6a32cd841906">Cécile<name key="PSN0113252" style="hidden">Mendelssohn Bartholdy, Cécile Sophie Charlotte (1817-1853)</name></persName> so sehr viel mehr liebe als mich und alles andre in der Welt, und wie ich eben für Alles das Ihnen danken sollte und es nicht kann, und nur Gott danken kann, daß er mir das Alles gegeben. Gewiß haben auch Sie am heutigen und gestrigen Tage wohl einmal zu mir hergedacht, wie ich jetzt hier wieder so allein lebe, nach all den frohen Festtagen. Der Augenblick, wie ich wieder in mein Zimmer trat, und alles so fand wie ich es bei der Abreise verlassen, und alles mir sagte daß die lang ersehnten Tage vorüber wären, der war sehr traurig. Und ich hatte mir eben diese Rückkunft niemals vorher lebhaft denken mögen so lange noch die Tage mir bevorstanden, und während der Reise träumte ich noch davon, und nun wußte ich so gar nicht, was zu thun um mich des Schmerzes der leidigen Erinnerung zu erwehren, und war den ganzen Abend in meinem Zimmer wie ein Abwesender. 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