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fmb-1826-08-31-01

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Felix Mendelssohn Bartholdy an Ferdinand David in Hamburg<lb></lb>Berlin, August 1826 Ihr Brief vom 18ten hat mir große Freude verursacht, und ich eile ihn zu beantworten, wenn ich auch nicht unbescheiden genug bin, zu glauben, daß meine Meinung von irgend einem Einfluß auf die Beschlüsse Ihrer Felix Mendelssohn Bartholdy Correspondence Online (FMB-C) noch nicht ermittelt noch nicht ermittelt Mendelssohn Bartholdy (bis 1816: Mendelssohn), Jacob Ludwig Felix (1809-1847)Mendelssohn Bartholdy (bis 1816: Mendelssohn), Jacob Ludwig Felix (1809-1847) Transkription: FMB-C Edition: FMB-C Felix Mendelssohn Bartholdy Correspondence Online-Ausgabe (FMB-C). Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft. Humboldt-Universität zu Berlin
Am Kupfergraben 5 10117 Berlin Deutschland
http://www.mendelssohn-online.com Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0) Bd. 1, 83

Maschinenlesbare Übertragung der vollständigen Korrespondenz Felix Mendelssohn Bartholdys (FMB-C)

Deutschland Leipzig D-LEsm Leipzig, Stadtgeschichtliches Museum Stadt- und Landesgeschichte A/561/2007. Autograph Felix Mendelssohn Bartholdy an Ferdinand David in Hamburg; Berlin, August 1826 Ihr Brief vom 18ten hat mir große Freude verursacht, und ich eile ihn zu beantworten, wenn ich auch nicht unbescheiden genug bin, zu glauben, daß meine Meinung von irgend einem Einfluß auf die Beschlüsse Ihrer

1 Doppelbl.: S. 1-4 Brieftext. – Der Datierung liegt Ferdinand Davids Empfangsvermerk »(1826.) im August.« zugrunde.

Felix Mendelssohn Bartholdy

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Abschrift, D-B, Musikabteilung, MA Nachl. 7,10,1. Julius Eckardt, Ferdinand David und die Familie Mendelssohn-Bartholdy. Aus hinterlassenen Briefschaften zusammengestellt, Leipzig 1888, S. 9-13. Sietz, Leben in Briefen, S. 29-32. Rothe / Szeskus, Leipziger Archive, S. 123-126.

Felix Mendelssohn Bartholdy Correspondence Online-Ausgabe FMB-C: Digitale Edition der vollständigen Korrespondenz Hin- und Gegenbriefe Felix Mendelssohn Bartholdys auf XML-TEI-Basis.

Die Felix Mendelssohn Bartholdy Correspondence Online-Ausgabe FMB-C ediert die Gesamtkorrespondenz des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy 1809-1847 in Form einer digitalen, wissenschaftlich-kritischen Online-Ausgabe. Sie bietet neben der diplomatischen Wiedergabe der rund 6.000 Briefe Mendelssohns erstmals auch eine Gesamtausgabe der über 7.200 Briefe an den Komponisten sowie einen textkritischen, inhalts- und kontexterschließenden Kommentar aller Briefe. Sie wird ergänzt durch eine Personen- und Werkdatenbank, eine Lebenschronologie Mendelssohns, zahlreicher Register der Briefe, Werke, Orte und Körperschaften sowie weitere Verzeichnisse. Philologisches Konzept, Philologische FMB-C-Editionsrichtlinien: Uta Wald, Dr. Ulrich Taschow. Digitales Konzept, Digitale FMB-C-Editionsrichtlinien: Dr. Ulrich Taschow. Technische Konzeption der Felix Mendelssohn Bartholdy Correspondence FMB-C Ausgabe und Webdesign: Dr. Ulrich Taschow.

August 1826 Mendelssohn Bartholdy (bis 1816: Mendelssohn), Jacob Ludwig Felix (1809-1847)counter-resetMendelssohn Bartholdy (bis 1816: Mendelssohn), Jacob Ludwig Felix (1809-1847) Berlin Deutschland David, Ernst Victor Carl Ferdinand (1810-1873) Hamburg Deutschland deutsch
Mendelssohn Bartholdy (bis 1816: Mendelssohn), Jacob Ludwig Felix (1809-1847) Mendelssohn Bartholdy (bis 1816: Mendelssohn), Jacob Ludwig Felix (1809-1847) Mein sehr lieber David!

Ihr Brief vom 18ten hat mir große Freude verursacht, und ich eile ihn zu beantworten, wenn ich auch nicht unbescheiden genug bin, zu glauben, daß meine Meinung von irgend einem Einfluß auf die Beschlüsse Ihrer werthen ElternDavid, David Salomon Michael (1772-1830)David, Henriette (1785-1844) sein könne. Ich meines Theils möchte gern alles Aufbieten um Ihre Rückkehr nach Berlin, die uns und Ihnen so wünschenswerth ist zu beschleunigen, und so erfolgt denn gleich mein ausführlicher Bericht.

Sie fragen 1) ob Sie Aussicht haben ein Auskommen hier zu finden, 2) ob eine Stelle bei einem der beiden TheaterKönigsstädtisches TheaterBerlinDeutschlandKönigliches OpernhausBerlinDeutschland für Sie offen wäre.

Daß Sie Aussicht haben hier durch Lectionengeben hinlängliches Auskommen zu finden, ist, meiner Meinung nach, nicht im mindesten zu bezweifeln. Ich weiß keinen Menschen in Berlin, der Stunden geben gewollt, und dem es daran gefehlt hätte (denn Ihr Talent und Ihre vortrefflichen Fähigkeiten dazu, will ich gar nicht mit in Anschlag bringen) Die aller untergeordnetsten Leute, bornirt, unangenehm, oder unwissend habe ich zu meiner größten Verwunderung sehr beschäftigt gesehn, und es geben Manche hier Stunden, von denen man kaum begreift, daß sie im Stande sind welche zu nehmen. Und nun sollte es Ihnen nicht gelingen? So wären Sie unter Hunderten, die sich auf diese Art erhalten, die ich kenne, und die keineswegs sich in irgend einer Hinsicht mit Ihnen messen können, gerade der einzige, und das ist doch nicht wohl anzunehmen. Übrigens haben Sie selbst ja aber schon einen Beweis davon gehabt, wie leicht es Ihnen werden würde, denn kaum ließ der Professor ZelterZelter, Carl Friedrich (1758-1832) ein einzigesmal einen Artikel in die Zeitung rücken, so meldeten sich in 3 Tagen 5 Leute bei ihm die nähere Auskunft wünschten; und noch dazu ist dies nicht einmal die Art, wie die Meisten Schüler bekommen, sondern gewöhnlich pflegen diese sich erst in 2 oder 3 Monaten zu finden, dann aber unausbleiblich; da Ihnen nun schon in 3 Tagen gelang, was andern kaum in 3 Monaten, so schließen Sie selbst. Es ist gar keine Frage, daß Sie in dieser Hinsicht ganz ruhig sein können, zumal da Sie neben Ihrem Violinspiel auch im Generalbaß tüchtig und fest sind (wovon ich selbst zu meiner Freude Gelegenheit hatte, mich zu überzeugen) denn auch in diesem Zweige der Musik werden jetzt von allen Seiten Lehrer begehrt, und da Sie das Wohlwollen und die Zuneigung des Professor ZelterZelter, Carl Friedrich (1758-1832) genießen, der immer mit wahrer Liebe von Ihnen spricht, und dieser fast täglich Stunden im Generalbaß abweisen muß, und in Verlegenheit ist, um jemand den er mit gutem Gewissen empfehlen könne, so ist es (ich sag’s noch einmal) schlechterdings unmöglich, daß es Ihnen fehlschlagen sollte.

Was den zweiten Punct Ihrer Frage betrifft, so kann ich Ihnen keine ganz bestimmte Auskunft geben. Beim königlichen TheaterKönigliches OpernhausBerlinDeutschland ist in diesem Augenblick keine Stelle offen, wie mir SpontiniSpontini, Gaspare Luigi Pacifico (1774-1851) versichert, den ich deswegen befragte, und sollte auch eine oder die andre erledigt werden, so steht gleich MöserMoeser (Möser), Carl Heinrich Ludwig Joachim Wilhelm (1774-1851) mit einer Hatze Jungen im Hinterhalt, die er seit langen Jahren zu Kammermusikern zieht und prügelt, der greift zu und schnappt sie weg. Was das KönigsstädterKönigsstädtisches TheaterBerlinDeutschland anlangt, so weiß ich nicht, wie es damit steht; denn StegmayerStegmayer, Ferdinand (1803-1863) besuch’ ich nicht gern, weil er die Leute gewöhnlich im Hemde aufnimmt, und mit MühlenbruchMühlenbruch, Heinrich (1803-1887) bin ich außer aller Verbindung; das Sicherste glaub’ ich, würde seyn, wenn Sie selbst an diesen letzternMühlenbruch, Heinrich (1803-1887) schrieben, er wird ihnen die genauste Auskunft geben können. Ich bin überzeugt, daß über kurz oder lang eine Umwälzung bei diesem TheaterKönigsstädtisches TheaterBerlinDeutschland vor sich gehn muß; denn das Gemurre im Publikum über die Bühne ist eben so allgemein, als das Gemurre im Personal und Orchester über StegmayersStegmayer, Ferdinand (1803-1863) Liederlichkeit und Faulheit. Führt nun der Teufel, oder vielmehr ein Erzengel einen bessern Director her, so wird der wohl einsehn müssen, eine Reform des ganzen Orchesters, das jetzt wirklich unter aller Kritik ist, sey unumgänglich nothwendig, und mit Ernst und Strenge vorzunehmen; denn was kann ein guter Geiger höchstens zwei, gegen Blasinstrumente ausrichten? So glaub’ ich sicher, daß bald Anstellungen da zu finden sein werden, ob jetzt schon, weiß ich nicht; doch weshalb wünschen Sie sich so sehr eine Anstellung? Wie anstrengend der Dienst im KöniglichenKönigliches OpernhausBerlinDeutschland ist, das kann Ihnen jede SpontinischeSpontini, Gaspare Luigi Pacifico (1774-1851) Partitur und das Zeugniß von LindenauLindenau, Leopold (1806-1859) beweisen, der die Sache mal auf einige Zeit versucht hat und Ritzens FingerRietz, Eduard Theodor Ludwig (1802-1832) und Krausens LippeKrause, Johann Heinrich (?-1827) und tausend andre Dinge; wie tödtend und erschlaffend aber ein Posten beim KönigsstädterKönigsstädtisches TheaterBerlinDeutschland, das sehen Sie aus jedem Repertoire, denn da findet man nur Jocko, Vaudevilles, Melodramen, Springerstücke mit einem Worte Schund, zu dem Sie wirklich Ihre Zeit und Ihre Kräfte nicht verschwenden dürfen. Wozu denn also überhaupt die Anstellung? Daß es ihrer künstlerischen Ausbildung nicht nothwendig ist, kann ich mit Wahrheit versichern; und durch eine Orchestercarte, die ich Ihnen mit Leichtigkeit verschaffen könnte, genössen Sie alle künstlerischen Vortheile, ohne die Plackereyen erdulden zu müssen. Daß man sich aber auch in pecuniärer Hinsicht ohne Anstellung besser befinde, und sich besser erhalte, dazu lassen Sie mich nur einmal RitzRietz, Eduard Theodor Ludwig (1802-1832) zum Beispiel aufstellen, der nicht nur anständig und gemächlich lebt, sondern auch z.B. Mitglied der SingacademieSing-AkademieBerlinDeutschland, und der LiedertafelZeltersche LiedertafelBerlinDeutschland ist und sich eine ganz vollständige Musicalienbibliothek angeschafft hat, und zwar erst seit seinem Ausscheiden aus dem Orchester, und der um keinen Preis zurück treten würde, obwohl er eine Stelle hatte, wie sie sobald nicht wieder ein so junger Mensch bekommen wird, die nächste am Concertmeister nähmlich. Auf jeden Fall ist es für Ihr ganzes künftiges Leben von der allerhöchsten Wichtigkeit bald wieder nach Berlin zu kommen, das jetzt gewiß einer der ersten musicalischen Orte ist, und wolle Gott, daß ich bald die Freude hätte Sie hier zu sehn, weil ich überzeugt bin, daß für Ihr Bestes nichts förderlicher seyn kann, als ein Leben in Berlin, und ein Wirkungskreis in Berlin, der Ihnen bald erschaffen sein soll.

Die herzlichsten Grüße von mir und allen Meinigen für Sie und alle Ihrigen. H. RombergRomberg, Bernhard Heinrich (1767-1841) bitte ich Sie zu sagen, daß er in 14 Tagen spätestens das Ottett<list style="hidden" type="fmb_works_directory" xml:id="title_lkny5fmx-6bwf-7ji0-9ty5-vxpmatffhfve"> <item n="1" sortKey="musical_works" style="hidden"></item> <item n="2" sortKey="instrumental_music" style="hidden"></item> <item n="3" sortKey="chamber_music" style="hidden"></item> <item n="4" sortKey="chamber_music_works_without_piano" style="hidden"></item></list><name key="PSN0000001" style="hidden" type="author">Mendelssohn Bartholdy (bis 1816: Mendelssohn), Jacob Ludwig Felix (1809-1847)</name><name key="PRC0100391" style="hidden">Oktett Es-Dur für vier Violinen, zwei Violen und zwei Violoncelli, 15. Oktober 1825<idno type="MWV">R 20</idno><idno type="op">20</idno></name> erhält. Ihr Felix Mendelssohn B. Auch an Dich lieber LindenauLindenau, Leopold (1806-1859) den besten Gruß. Ich schreibe Dir nächstens.
            Mein sehr lieber David!
Ihr Brief vom 18ten hat mir große Freude verursacht, und ich eile ihn zu beantworten, wenn ich auch nicht unbescheiden genug bin, zu glauben, daß meine Meinung von irgend einem Einfluß auf die Beschlüsse Ihrer werthen Eltern sein könne. Ich meines Theils möchte gern alles Aufbieten um Ihre Rückkehr nach Berlin, die uns und Ihnen so wünschenswerth ist zu beschleunigen, und so erfolgt denn gleich mein ausführlicher Bericht.
Sie fragen 1) ob Sie Aussicht haben ein Auskommen hier zu finden, 2) ob eine Stelle bei einem der beiden Theater für Sie offen wäre.
Daß Sie Aussicht haben hier durch Lectionengeben hinlängliches Auskommen zu finden, ist, meiner Meinung nach, nicht im mindesten zu bezweifeln. Ich weiß keinen Menschen in Berlin, der Stunden geben gewollt, und dem es daran gefehlt hätte (denn Ihr Talent und Ihre vortrefflichen Fähigkeiten dazu, will ich gar nicht mit in Anschlag bringen) Die aller untergeordnetsten Leute, bornirt, unangenehm, oder unwissend habe ich zu meiner größten Verwunderung sehr beschäftigt gesehn, und es geben Manche hier Stunden, von denen man kaum begreift, daß sie im Stande sind welche zu nehmen. Und nun sollte es Ihnen nicht gelingen? So wären Sie unter Hunderten, die sich auf diese Art erhalten, die ich kenne, und die keineswegs sich in irgend einer Hinsicht mit Ihnen messen können, gerade der einzige, und das ist doch nicht wohl anzunehmen. Übrigens haben Sie selbst ja aber schon einen Beweis davon gehabt, wie leicht es Ihnen werden würde, denn kaum ließ der Professor Zelter ein einzigesmal einen Artikel in die Zeitung rücken, so meldeten sich in 3 Tagen 5 Leute bei ihm die nähere Auskunft wünschten; und noch dazu ist dies nicht einmal die Art, wie die Meisten Schüler bekommen, sondern gewöhnlich pflegen diese sich erst in 2 oder 3 Monaten zu finden, dann aber unausbleiblich; da Ihnen nun schon in 3 Tagen gelang, was andern kaum in 3 Monaten, so schließen Sie selbst. Es ist gar keine Frage, daß Sie in dieser Hinsicht ganz ruhig sein können, zumal da Sie neben Ihrem Violinspiel auch im Generalbaß tüchtig und fest sind (wovon ich selbst zu meiner Freude Gelegenheit hatte, mich zu überzeugen) denn auch in diesem Zweige der Musik werden jetzt von allen Seiten Lehrer begehrt, und da Sie das Wohlwollen und die Zuneigung des Professor Zelter genießen, der immer mit wahrer Liebe von Ihnen spricht, und dieser fast täglich Stunden im Generalbaß abweisen muß, und in Verlegenheit ist, um jemand den er mit gutem Gewissen empfehlen könne, so ist es (ich sag’s noch einmal) schlechterdings unmöglich, daß es Ihnen fehlschlagen sollte.
Was den zweiten Punct Ihrer Frage betrifft, so kann ich Ihnen keine ganz bestimmte Auskunft geben. Beim königlichen Theater ist in diesem Augenblick keine Stelle offen, wie mir Spontini versichert, den ich deswegen befragte, und sollte auch eine oder die andre erledigt werden, so steht gleich Möser mit einer Hatze Jungen im Hinterhalt, die er seit langen Jahren zu Kammermusikern zieht und prügelt, der greift zu und schnappt sie weg. Was das Königsstädter anlangt, so weiß ich nicht, wie es damit steht; denn Stegmayer besuch’ ich nicht gern, weil er die Leute gewöhnlich im Hemde aufnimmt, und mit Mühlenbruch bin ich außer aller Verbindung; das Sicherste glaub’ ich, würde seyn, wenn Sie selbst an diesen letztern schrieben, er wird ihnen die genauste Auskunft geben können. Ich bin überzeugt, daß über kurz oder lang eine Umwälzung bei diesem Theater vor sich gehn muß; denn das Gemurre im Publikum über die Bühne ist eben so allgemein, als das Gemurre im Personal und Orchester über Stegmayers Liederlichkeit und Faulheit. Führt nun der Teufel, oder vielmehr ein Erzengel einen bessern Director her, so wird der wohl einsehn müssen, eine Reform des ganzen Orchesters, das jetzt wirklich unter aller Kritik ist, sey unumgänglich nothwendig, und mit Ernst und Strenge vorzunehmen; denn was kann ein guter Geiger höchstens zwei, gegen Blasinstrumente ausrichten? So glaub’ ich sicher, daß bald Anstellungen da zu finden sein werden, ob jetzt schon, weiß ich nicht; doch weshalb wünschen Sie sich so sehr eine Anstellung? Wie anstrengend der Dienst im Königlichen ist, das kann Ihnen jede Spontinische Partitur und das Zeugniß von Lindenau beweisen, der die Sache mal auf einige Zeit versucht hat und Ritzens Finger und Krausens Lippe und tausend andre Dinge; wie tödtend und erschlaffend aber ein Posten beim Königsstädter, das sehen Sie aus jedem Repertoire, denn da findet man nur Jocko, Vaudevilles, Melodramen, Springerstücke mit einem Worte Schund, zu dem Sie wirklich Ihre Zeit und Ihre Kräfte nicht verschwenden dürfen. Wozu denn also überhaupt die Anstellung? Daß es ihrer künstlerischen Ausbildung nicht nothwendig ist, kann ich mit Wahrheit versichern; und durch eine Orchestercarte, die ich Ihnen mit Leichtigkeit verschaffen könnte, genössen Sie alle künstlerischen Vortheile, ohne die Plackereyen erdulden zu müssen. Daß man sich aber auch in pecuniärer Hinsicht ohne Anstellung besser befinde, und sich besser erhalte, dazu lassen Sie mich nur einmal Ritz zum Beispiel aufstellen, der nicht nur anständig und gemächlich lebt, sondern auch z. B. Mitglied der Singacademie, und der Liedertafel ist und sich eine ganz vollständige Musicalienbibliothek angeschafft hat, und zwar erst seit seinem Ausscheiden aus dem Orchester, und der um keinen Preis zurück treten würde, obwohl er eine Stelle hatte, wie sie sobald nicht wieder ein so junger Mensch bekommen wird, die nächste am Concertmeister nähmlich. Auf jeden Fall ist es für Ihr ganzes künftiges Leben von der allerhöchsten Wichtigkeit bald wieder nach Berlin zu kommen, das jetzt gewiß einer der ersten musicalischen Orte ist, und wolle Gott, daß ich bald die Freude hätte Sie hier zu sehn, weil ich überzeugt bin, daß für Ihr Bestes nichts förderlicher seyn kann, als ein Leben in Berlin, und ein Wirkungskreis in Berlin, der Ihnen bald erschaffen sein soll.
Die herzlichsten Grüße von mir und allen Meinigen für Sie und alle Ihrigen. H. Romberg bitte ich Sie zu sagen, daß er in 14 Tagen spätestens das Ottett erhält. Ihr
Felix Mendelssohn B.
Auch an Dich lieber Lindenau den besten Gruß. Ich schreibe Dir nächstens.          
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Ich weiß keinen Menschen in Berlin, der Stunden geben gewollt, und dem es daran gefehlt hätte (denn Ihr Talent und Ihre vortrefflichen Fähigkeiten dazu, will ich gar nicht mit in Anschlag bringen) Die aller untergeordnetsten Leute, bornirt, unangenehm, oder unwissend habe ich zu meiner größten Verwunderung sehr beschäftigt gesehn, und es geben Manche hier Stunden, von denen man kaum begreift, daß sie im Stande sind welche zu nehmen. Und nun sollte es Ihnen nicht gelingen? So wären Sie unter Hunderten, die sich auf diese Art erhalten, <hi rend="underline">die ich kenne</hi>, und die keineswegs sich in irgend einer Hinsicht mit Ihnen messen können, gerade der einzige, und das ist doch nicht wohl anzunehmen. Übrigens haben Sie selbst ja aber schon einen Beweis davon gehabt, wie leicht es Ihnen werden würde, denn kaum ließ der <persName xml:id="persName_f60ded8b-534b-4553-b9a8-0e8f91aed55d">Professor Zelter<name key="PSN0115916" style="hidden">Zelter, Carl Friedrich (1758-1832)</name></persName> ein einzigesmal einen Artikel in die Zeitung rücken, so meldeten sich in 3 Tagen 5 Leute bei ihm die nähere Auskunft wünschten; und noch dazu ist dies nicht einmal die Art, wie die Meisten Schüler bekommen, sondern gewöhnlich pflegen diese sich erst in 2 oder 3 Monaten zu finden, dann aber unausbleiblich; da Ihnen nun schon in 3 Tagen gelang, was andern kaum in 3 Monaten, so schließen Sie selbst. Es ist gar keine Frage, daß Sie in dieser Hinsicht ganz ruhig sein können, zumal da Sie neben Ihrem Violinspiel auch im Generalbaß tüchtig und fest sind (wovon ich selbst zu meiner Freude Gelegenheit hatte, mich zu überzeugen) denn auch in diesem Zweige der Musik werden jetzt von allen Seiten Lehrer begehrt, und da Sie das Wohlwollen und die Zuneigung des <persName xml:id="persName_a005a25b-d11a-41c9-a083-c572c3862be4">Professor Zelter<name key="PSN0115916" style="hidden">Zelter, Carl Friedrich (1758-1832)</name></persName> genießen, der immer mit wahrer Liebe von Ihnen spricht, und dieser fast täglich Stunden im Generalbaß abweisen muß, und in Verlegenheit ist, um jemand den er mit gutem Gewissen empfehlen könne, so ist es (ich sag’s noch einmal) schlechterdings unmöglich, daß es Ihnen fehlschlagen sollte.</p> <p>Was den zweiten Punct Ihrer Frage betrifft, so kann ich Ihnen keine ganz bestimmte Auskunft geben. <placeName xml:id="placeName_50bc831b-c806-4fe0-8ae0-1609655286df">Beim königlichen Theater<name key="NST0100293" style="hidden" subtype="" type="institution">Königliches Opernhaus</name><settlement key="STM0100101" style="hidden" type="">Berlin</settlement><country style="hidden">Deutschland</country></placeName> ist in diesem Augenblick keine Stelle offen, wie mir <persName xml:id="persName_a3b84109-3a51-4468-8b26-8db79df2d7ed">Spontini<name key="PSN0115037" style="hidden">Spontini, Gaspare Luigi Pacifico (1774-1851)</name></persName> versichert, den ich deswegen befragte, und sollte auch eine oder die andre erledigt werden, so steht gleich <persName xml:id="persName_c9886de4-0866-4249-aaf0-513bc6e3b18d">Möser<name key="PSN0113371" style="hidden">Moeser (Möser), Carl Heinrich Ludwig Joachim Wilhelm (1774-1851)</name></persName> mit einer Hatze Jungen im Hinterhalt, die er seit langen Jahren zu Kammermusikern zieht und prügelt, der greift zu und schnappt sie weg. Was das <placeName xml:id="placeName_9db2fa14-f4e8-4ab0-849c-578bec01825f">Königsstädter<name key="NST0100297" style="hidden" subtype="" type="institution">Königsstädtisches Theater</name><settlement key="STM0100101" style="hidden" type="">Berlin</settlement><country style="hidden">Deutschland</country></placeName> anlangt, so weiß ich nicht, wie es damit steht; denn <persName xml:id="persName_1419991a-a1ea-4c13-a41f-854b06c68e2d">Stegmayer<name key="PSN0115081" style="hidden">Stegmayer, Ferdinand (1803-1863)</name></persName> besuch’ ich nicht gern, weil er die Leute gewöhnlich im Hemde aufnimmt, und mit <persName xml:id="persName_b5a07ae4-414b-4e1c-94f8-ea6dd37c934d">Mühlenbruch<name key="PSN0113470" style="hidden">Mühlenbruch, Heinrich (1803-1887)</name></persName> bin ich außer aller Verbindung; das Sicherste glaub’ ich, würde seyn, wenn Sie selbst an diesen <persName xml:id="persName_16555659-90f3-4a14-b3e0-85a1aead8356">letztern<name key="PSN0113470" style="hidden">Mühlenbruch, Heinrich (1803-1887)</name></persName> schrieben, er wird ihnen die genauste Auskunft geben können. Ich bin überzeugt, daß über kurz oder lang eine Umwälzung <placeName xml:id="placeName_48b84a2d-c125-4782-98c4-a4b4b36ca0ec">bei diesem Theater<name key="NST0100297" style="hidden" subtype="" type="institution">Königsstädtisches Theater</name><settlement key="STM0100101" style="hidden" type="">Berlin</settlement><country style="hidden">Deutschland</country></placeName> vor sich gehn muß; denn das Gemurre im Publikum über die Bühne ist eben so allgemein, als das Gemurre im Personal und Orchester über <persName xml:id="persName_7fb91319-6526-4585-a145-e2e5725472bd">Stegmayers<name key="PSN0115081" style="hidden">Stegmayer, Ferdinand (1803-1863)</name></persName> Liederlichkeit und Faulheit. Führt nun der Teufel, oder vielmehr ein Erzengel einen bessern Director her, so wird der wohl einsehn müssen, eine Reform des ganzen Orchesters, das jetzt wirklich unter aller Kritik ist, sey unumgänglich nothwendig, und mit Ernst und Strenge vorzunehmen; denn was kann ein guter Geiger höchstens zwei, gegen Blasinstrumente ausrichten? So glaub’ ich sicher, daß bald Anstellungen da zu finden sein werden, ob jetzt schon, weiß ich nicht; doch weshalb wünschen Sie sich so sehr eine Anstellung? Wie anstrengend der Dienst im <placeName xml:id="placeName_fd73ca2f-a3f8-449f-9931-b05f2e5fb135">Königlichen<name key="NST0100293" style="hidden" subtype="" type="institution">Königliches Opernhaus</name><settlement key="STM0100101" style="hidden" type="">Berlin</settlement><country style="hidden">Deutschland</country></placeName> ist, das kann Ihnen jede <persName xml:id="persName_1002bdbd-ad50-45c8-b5e1-91c7468d3df6">Spontinische<name key="PSN0115037" style="hidden">Spontini, Gaspare Luigi Pacifico (1774-1851)</name></persName> Partitur und das Zeugniß von <persName xml:id="persName_ec4a0835-33c8-4e01-bdb9-6dde96af841f">Lindenau<name key="PSN0112862" style="hidden">Lindenau, Leopold (1806-1859)</name></persName> beweisen, der die Sache mal auf einige Zeit versucht hat und <persName xml:id="persName_d55040c9-d95f-4d3f-a6b3-2448b5358ab7">Ritzens Finger<name key="PSN0114202" style="hidden">Rietz, Eduard Theodor Ludwig (1802-1832)</name></persName> und <persName xml:id="persName_8091b01a-e24c-4978-bba9-8d69e9eca534">Krausens Lippe<name key="PSN0112524" style="hidden">Krause, Johann Heinrich (?-1827)</name></persName> und tausend andre Dinge; wie tödtend und erschlaffend aber ein Posten beim <placeName xml:id="placeName_2d057f96-2d71-47bf-bad7-59a4cb1bb123">Königsstädter<name key="NST0100297" style="hidden" subtype="" type="institution">Königsstädtisches Theater</name><settlement key="STM0100101" style="hidden" type="">Berlin</settlement><country style="hidden">Deutschland</country></placeName>, das sehen Sie aus jedem Repertoire, denn da findet man nur Jocko, Vaudevilles, Melodramen, Springerstücke mit einem Worte Schund, zu dem Sie wirklich Ihre Zeit und Ihre Kräfte nicht verschwenden dürfen. Wozu denn also überhaupt die Anstellung? Daß es ihrer künstlerischen Ausbildung nicht nothwendig ist, kann ich mit Wahrheit versichern; und durch eine Orchestercarte, die ich Ihnen mit Leichtigkeit verschaffen könnte, genössen Sie alle künstlerischen Vortheile, ohne die Plackereyen erdulden zu müssen. Daß man sich aber auch in pecuniärer Hinsicht ohne Anstellung besser befinde, und sich besser erhalte, dazu lassen Sie mich nur einmal <persName xml:id="persName_fc436b86-e8d3-4ca6-8998-7e68ff21c2c9">Ritz<name key="PSN0114202" style="hidden">Rietz, Eduard Theodor Ludwig (1802-1832)</name></persName> zum Beispiel aufstellen, der nicht nur anständig und gemächlich lebt, sondern auch z.B. Mitglied der <placeName xml:id="placeName_73aca003-c5f9-4fbe-9294-da65cff6b1d7">Singacademie<name key="NST0100203" style="hidden" subtype="" type="institution">Sing-Akademie</name><settlement key="STM0100101" style="hidden" type="">Berlin</settlement><country style="hidden">Deutschland</country></placeName>, und der <placeName xml:id="placeName_4d3d8429-723a-466a-a39c-f52c70478ce2">Liedertafel<name key="NST0100484" style="hidden" subtype="" type="institution">Zeltersche Liedertafel</name><settlement key="STM0100101" style="hidden" type="">Berlin</settlement><country style="hidden">Deutschland</country></placeName> ist und sich eine ganz vollständige Musicalienbibliothek angeschafft hat, und zwar <hi rend="underline">erst seit</hi> seinem Ausscheiden aus dem Orchester, und der um keinen Preis zurück treten würde, obwohl er eine Stelle hatte, wie sie sobald nicht wieder ein so junger Mensch bekommen wird, die nächste am Concertmeister nähmlich. Auf jeden Fall ist es für Ihr ganzes künftiges Leben von der allerhöchsten Wichtigkeit bald wieder nach Berlin zu kommen, das jetzt gewiß einer der ersten musicalischen Orte ist, und wolle Gott, daß ich bald die Freude hätte Sie hier zu sehn, weil ich überzeugt bin, daß für Ihr Bestes nichts förderlicher seyn kann, als ein Leben in Berlin, und ein Wirkungskreis in Berlin, der Ihnen bald erschaffen sein soll.</p> <closer rend="left" xml:id="closer_24f23e65-8d8c-4446-a11f-d46f8488feb3">Die herzlichsten Grüße von mir und allen Meinigen für Sie und alle Ihrigen. <persName xml:id="persName_0e94e88c-f2ff-47ab-b451-467d632c0681">H. Romberg<name key="PSN0114272" style="hidden">Romberg, Bernhard Heinrich (1767-1841)</name></persName> bitte ich Sie zu sagen, daß er in 14 Tagen spätestens das <title xml:id="title_9840a424-c0bf-4f8b-8a42-61ed240ca294">Ottett<list style="hidden" type="fmb_works_directory" xml:id="title_lkny5fmx-6bwf-7ji0-9ty5-vxpmatffhfve"> <item n="1" sortKey="musical_works" style="hidden"></item> <item n="2" sortKey="instrumental_music" style="hidden"></item> <item n="3" sortKey="chamber_music" style="hidden"></item> <item n="4" sortKey="chamber_music_works_without_piano" style="hidden"></item></list><name key="PSN0000001" style="hidden" type="author">Mendelssohn Bartholdy (bis 1816: Mendelssohn), Jacob Ludwig Felix (1809-1847)</name><name key="PRC0100391" style="hidden">Oktett Es-Dur für vier Violinen, zwei Violen und zwei Violoncelli, 15. Oktober 1825<idno type="MWV">R 20</idno><idno type="op">20</idno></name></title> erhält. </closer> <signed rend="right">Ihr</signed> <signed rend="right">Felix Mendelssohn B.</signed> <closer rend="left" xml:id="closer_a895f5da-643d-4240-b90e-7cc97adb621b">Auch an Dich lieber <persName xml:id="persName_6a25443c-a12d-48a4-a7b2-98450ccf898b">Lindenau<name key="PSN0112862" style="hidden">Lindenau, Leopold (1806-1859)</name></persName> den besten Gruß. Ich schreibe Dir nächstens.</closer> </div> </body> </text></TEI>